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Der Herdenschutzhund als Familienhund

Haltung von Herdenschutzhunden als Familienhund

In zunehmendem Masse werden Herdenschutzhunde auch als Familienhund gehalten. Gegen diese Tatsache ist in Prinzip nichts einzuwenden, nur müssen ein paar zusätzliche Dinge berücksichtigt werden, gegenüber andern Hunden.
Herdenschutzhunde sind nicht besser oder schlechter als andere Hunde, sie sind nur etwas anders. Anders darum, weil sie besonders ausgeprägte Instinkte besitzen, andere Veranlagungen haben und auf den Menschen noch nicht so sozialisiert sind. Sie verlangen von uns Menschen diesbezüglich sehr viel Verständnis und Geduld ab. Mit dem notwendigen Einfühlungsvermögen sowie dem Bestreben dem Hund geordnete Strukturen zu geben und ihm Grenzen zu setzen, sollten diese Hürden aber gemeistert werden können.

Oft kommen diese Hunde auf irgendwelchen Wegen zu uns, was sich im Nachhinein als fatal herausstellen kann. Die Tierheime können davon ein Lied singen. Herdenschutzhunde als Familienhunde sollten deshalb aus Zuchten stammen, die nicht Arbeitshunde züchten, sondern die Zucht als Familienhund im Vordergrund haben und die Prägung entsprechend beeinflussen.

Bei Hunden unbekannter Herkunft, sollte genau abgeklärt werden, wie die Tiere gehalten wurden, wie das Verhalten des Hundes bisher war und ob eine tierärztliche Untersuchung gemacht wurde. Hunde, die bereits mehrere Monate oder gar Jahre alt sind, sollten nur von Menschen übernommen werden, die sich mit Hundehaltung und Erziehung gut auskennen. Vom Direktimport 'ab Schäfer' muss dringend abgeraten werden, insbesonders dann, wenn das Tier älter als 5 bis 8 Monate ist.

Nicht artgerechte Haltungsformen, wie das Ausschliessen aus seinem 'Rudel' durch Zwinger-, Kettenhaltung oder permanente Abwesenheit des Hundehalters, wirken sich katastrophal auf das Wesen des Herdenschutzhundes aus. Als ursprünglicher Arbeitshund braucht er ausreichende und sinnvolle Beschäftigung. Neben ausgedehnten Spaziergängen und Aktivitäten ist das Bewachen des eigenen Grundstücks oder der Familie als Herdenersatz die ideale Beschäftigung. Diese Hunde benötigen viel Freiraum, menschlichen Kontakt und genügend Aktivitäten.

Tips die Ihnen und dem Hund das Leben erleichtern:

  • Herdenschutzhunde halten sich am liebsten nah bei der Herde bzw. bei der Familie auf. Lassen Sie den Hund also nicht zu lange allein und halten Sie ihn nicht isoliert sondern integrieren Sie ihn in die Familie. Nehmen Sie ihn auch möglichst überallhin mit, wenn sich's einrichten lässt. Das fördert die Flexibilität und die Integration in die menschliche Gesellschaft.
  • Wichtig ist seine Sozialisierung zum Menschen und zwar schon als Welpe. Gewöhnen Sie den Hund frühzeitig an den Umgang mit Kindern, an Besucher im Haus und fremde Menschen. Gehen Sie auch mal in der Stadt spazieren. Je mehr Umwelteinflüsse er kennenlernt, desto weniger Probleme werden sie später haben.
    Eine vermeindliche Unart (aus Sicht des Hundes aber notwendig) ist das plötzliche und scheinbar unmotivierte Anknurren oder Anbellen von fremden Menschen. Dies zeugt nicht von einem bissigen Hund, sondern von einer Reaktion aufgrund einer vermeintlichen Gefahr. Der Hund geht in Abwehrstellung und bedroht den vermeintlichen Angreifer, er wird aber nicht zubeissen. Trotzdem ist dies eine untolerierbare Handlung, die Sie und Ihren Hund schnell in Verruf bringt, und das zu Recht. Abhilfe bringt hier nur sehr konsequentes Handeln und eine gute Sozialisierung. Achten Sie generell darauf, dass Hunde die zu diesem Verhalten neigen, nicht einfach berührt werden, besonders nicht von hinten, oder dass jemand versucht den Hund am Halsband zu fassen. Hier reagiert der Herdenschutzhund oft heftig.
  • Die Maremmani haben sehr viele und lange Haare. Gewöhnen Sie sich also frühzeitig an die Vorstellung dass alles voller Hundehaare sein wird. Die weissen Haare bleiben wundervoll an ihren schwarzen Kleidern hängen, der Albtraum jeder Hausfrau.
  • Auch jede Menge Matsch und Dreck bleibt in diesem Fell hängen, was jedoch kein Grund zur Panik ist. Maremmani haben ein einzigartig, selbstreinigendes Fell. Wenn der Dreck trocken ist, fällt er von selbst ab. Der Hund ist beinahe sauber, der Dreck auf dem Boden. Den Rest können sie bequem Ausbürsten. Gewöhnen Sie Ihren Hund also an das tägliche Ausbürsten, schon aus Erziehungsgründen. Indem Sie Ihren Hund pflegen, zeigen Sie dass Sie der Chef sind. Wenn sich der Hund pflegen lässt, hat er das akzeptiert - das ist Hundelogik.
    Zu häufiges Waschen, schadet dem Fell. Und wenn gebadet werden muss, dann verwenden Sie medizinisches und kein Babyschampo.
  • Maremmani haben, wie die meisten andern grossen Hunde auch, sehr empfindliche Augen. Nur scheint diese Rasse für Bindehaut Entzündungen besonders empfänglich zu sein. Kritisch ist es vor allem bei Hunden die weniger als 2 Jahre alt sind, später lässt die Empfindlichkeit nach. Bei Anzeichen von anhaltend wässerigen Augen, roter (entzündeter) Bindehaut, verklebten Augen oder über längere Zeit eitrige Absonderungen, sofort den Tierarzt konsultieren.
  • Diese grossen Hunde fressen weniger, wie ihr Aussehen vermuten lässt. Ignorieren Sie die Mengenangaben auf den Futtermitteln getrost. Halten Sie sich an die Angaben des Züchters und beobachten Sie sein Wachstum. Herdenschutzhunde sehr genügsam, was das Fressen angeht. Sie brauchen kein aufgeputschtes Kraftfutter. Wechseln sie auch ruhig etwas ab, das fördert die Flexibilität.
    Teilen Sie die Tagesration in zwei bis drei Mal auf. Besonders bei Trockenfutter, wenn die Hunde noch viel trinken dazu, kann ein voller Magen bei grossen Hunden in Bewegung geraten und sich drehen, das ist lebensgefährlich. Geben Sie ihm kein Fressen vor Aktivitäten und halten Sie ihn 2 Stunden ruhig nach dem Fressen.
  • Falls beim Maremmano während der Winterzeit, das Fell stellenweise eine etwas gelbbräunliche Tönung bekommt ist das in der Regel eine Reaktion auf zu wenig Sonne. Im Sommer sollte sich dies wieder normalisieren. Falls nicht, kann es auch am Futter liegen. Zuviel Kupfer und Beta-Carotin lagert sich im Fettgewebe unter der Haut ab und kann die Haare verfärben.
    Eine hellere Nasenspitze (sog. Wechselnase) ist ein Winter- Effekt. Wenn es wieder wärmer wird, sollte die Nase wieder schwarz werden.
  • Besuchen Sie einen Erziehungskurs, arbeiten Sie mit ihm und beschäftigen Sie Ihren Hund. Eine Erziehung ist wirklich empfehlenswert, aber sie braucht sehr viel Geduld, Konsequenz und Einfühlungsvermögen.Von der klassischen Hundeausbildung, wie sie vielerorts leider noch immer praktiziert wird, ist bei diesem Hundetyp dringend abzuraten. Der Hirtenhund macht bei zuviel Druck entsprechenden Gegendruck. Vor allem sollte er nicht im Bereich VPG oder IPO ausgebildet werden. Herdenschutzhunde haben von Natur aus einen sehr hohen Schutztrieb, der durch eine Schutzhundausbildung nicht noch verstärkt und somit unkontrollierbar gemacht werden sollte.
  • Auch bei erfolgreicher Erziehung wird der Herdenschutzhund nie zu bedingungslosen Gehorsam erzogen werden können, weil Unterwerfung gegen seine Natur ist. Seine Selbständigkeit und Unabhängigkeit wird im dabei immer im Weg sein.

    Ein Herdenschutzhund ohne Erziehung, ist wie ein Geländewagen ohne Bremsen....

Siehe auch

- Artikel: Der Hirtenhund als Familienhund (pdf Dokument)